Berlin, 11. Dezember 1918
die Vossische Zeitung zeigte sich beeindruckt. „Wenn eine Tänzerin Ausdruck .. unserer Zeit sein könnte, [dann Valeska Gert. Sie tanzte das gebärende Chaos einer ideenlosen Gesellschaft ohne Identität!“ Die Zeiten waren hart.
Berlin, 13. September 2025
Und heute? Jensus Kraßnig hinterließ mit seiner Band bei dem Release-Konzert seiner Schallplatte megarealitaet einen Eindruck, der den Vergleich nicht scheuen muss.

https://jensuskrassnig.de/
Wir haben mit den hiesigen, weil demokratischen, Verhältnissen in der heute wieder so unsicher gewordenen Welt noch Glück. Doch birgt die soziale Marktwirtschaft wegen ihrer Schwäche für neoliberale Tendenzen Gefahren. Sie überfordert jede*n Einzelne*n mit Eigenverantwortung. Verkauft wird das Ganze als Freiheit. Zweifelsohne profitieren von den damit einhergehenden Selbstzweifeln allerorten Rechtsradikalismus, Hetze und Hass. Bei weitem nicht vergleichbar zwar, sind auch die heutigen Zeiten nicht gerade unbeschwert!
Im Gegensatz zum letzten Jahrhundert gibt es glücklicherweise einen stabilen demokratisch und links gesinnten Teil der Zivilgesellschaft. Und es liegt wieder an den Künsten und Kulturen, den Aufschrei zu wagen und laut zu werden.
Jensus megarealitaet – das Konzert
Hier werden Künstler*innen ihrer Verantwortung gerecht:
PC Nackt – Komposition, Keyboard, Xylophon
Cherie – Gesang, Chorleitung
Dan Freeman – Saxophon
Dharma Pakravan – Tuba
Frankie Bienke – Kontrabass
Ben Lauber – Drums
Daniel Schröteler – Drums
An diesem Abend in der MaHalla, einer ehemaligen AEG-Turbinenhalle von Peter Behrens, spielten die Spitzen-Musiker*innen in einem in den Boden eingelassenen Pool. Sie standen mit ihren Instrumenten ,knöcheltief, geschützt von Plastiktüten oder Gummistiefeln, in einer bräunlichen Lake im Pool, während einige Chor-Mitglieder, gemischt unter das Publikum, oben an der Reling lehnten. Von Entspannung allerdings keine Spur!
Nach einem zart anmutenden, gebrochenem Intro eroberten schnell treibende Rhythmen und fordernde oder zerfetzte Melodien den Klang, mal unterstützt vom Chor, mal konterkariert. Da unten braute sich eine Alligator Soup zusammen!
Die Worte, von Jensus Kraßnig laut und deutlich artikuliert, verstrickten Widersprüche miteinander, spielten eindeutig mit Mehrdeutigkeiten und stürzten sich hinein in das hoch organisierte Chaos. „Alles dreht sich um mich, ich zieh die Uniform an/das passende Gesicht zu meiner Trendfrisur“.
Die absurde Energie, der sich niemand der Anwesenden entziehen konnte oder wollte, führte auch in unsichere Fahrwasser oder stellte Fragen, um sie einfach offen zu lassen? Da war sie, die zweifelnde Menschen-Seele!
Jensus megarealitaet – die Schallplatte
Glücklicherweise haben die Künstler*innen megarealität als Album aufgenommen. Innerhalb von drei Tagen haben sie im Tonstudio „Chez Cherie“ gemeinschaftlich die Musik entwickelt. Grundlagen dafür lieferten Jensus Kraßnig `s Sprache und Ausdruck, PC Nackts kompositorische und praktische Fähigkeiten und die Expertisen jedes und jeder Einzelnen.