Soulcrane & Laurent Derache
DARK
Bei der Jazz Baltica 2025 trat der Trompeter und Komponist Matthias Schwengler mit Soulcrane, vorläufig ein Quartett, auf, mit Philipp Brämswig an der Gitarre und Reza Askari am Double Bass und dem Akkordeonisten Laurent Derache französischer Herkunft. Sie präsentierten ihr aktuelles Projekt DARK, das am 18. September 2026 unter demselben Namen als Album bei Klaeng Records in Köln erschienen ist.

Der Auftritt
Als würden sie der Dunkelheit trotzen wollen, traten die vier Musiker*innen bei der Jazz Baltica in einem großen, hellen und Licht-durchfluteten Raum auf. Der bot mit seinen offenen Fenstern den idealen Schauplatz für eine grenzenlose musikalische Reise quer durch diverse Klanglandschaften. Sie verlief entlang von Kompositionen aus der Feder Matthias Schwenglers, und einer von Philipp Brämswig. Aus der Sicht des Trompeters gewähre gerade die Notation die Freiheit, kollektiv beliebig häufig zwischen Genres und Stimmungen wechseln zu können. Aus seiner Sicht gewähre gerade die Notation die Freiheit, kollektiv beliebig häufig zwischen Genres und Stimmungen wechseln zu können.
Auch aus diesem Grund gelang es der ursprünglichen Rhythmusgruppe des Trios, die doch auch dunkleren Stimmungen der Melodien immer wieder über swingende Takte aufzufangen und jeden Stilwechsel zu meistern. Abgesehen von einigen Bass- oder Gitarren-Soli begaben sich Trompete und Akkordeon in einen Dialog voller Kammerjazz- und Welt-musikalischer Einflüsse aus dem europäischen, speziell dem bulgarischen; Raum. Die Instrumente lösten sich mitsamt ihrer Melodien und deren Rhythmen gegenseitig ab. Auf diese Weise strukturierte ihr Einsatz die Musik. Und diese wirkte in ihrer konstanten Wechselhaftigkeit sehr wendig und lebendig.
Der Trompeter und Komponist
Matthias Schwengler wechselte spielend zwischen zeitgenössischem Jazz und hier den Einflüssen bulgarischer Populär-Musik. Letztere prägen DARK besonders. Der Trompeter und Komponist deutscher Herkunft kreierte mit seinem warmen Klang und der sensiblen Phrasierung den sehr zeitgemäßen Jazz-musikalischen Ausdruck des Geschichten -Erzählens.
Dank seiner Offenheit und seinem breiten musikalischen Erfahrungsschatz hat Matthias Schwengler auch so Einiges zu berichten.
Er arbeitete zusammen mit international renommierten Jazz-Künstler*innen wie dem Akkordeonisten Vincent Peirani, dem Trompeter Tom Harrell und dem Schlagzeuger und Sänger Jamal Thomas. Außerdem war er an großen Pop-Produktionen mit dem Sänger und Songwriter Mark Forster, dem Sänger und Komponisten Jimmy Kelly oder der „Urban Brass“-Band Moop Mama beteiligt. Die Abwechslung zwischen Jazz, Studioarbeit und groß angelegten Live-Auftritten scheint ihn nur bereichert zu haben.
Und dann sind da noch die internationalen Festivals, bei denen er zu Gast war. So spielte er in verschiedenen Formationen auf dem Ethno Jazz Festival in Moldawien, dem Bansko Jazz Festival in Bulgarien oder dem Abidjan Jazz Festival in der Elfenbeinküste. Und nicht zu vergessen 2025 auf der Jazz Baltica!
Seine Erfahrungen in großen wie in kleinen Formationen halten sich auf lange Sicht quantitativ etwa die Waage. Neben seinem aktuellen Trio Soulcrane hält er der WDR-Big Band die Treue. Allerdings gibt er zu, dass er, seit er seine eigenen Formationen leite, kleinere Gruppen von Sextetten bis zu Trios bevorzuge.
Der Kern von Soulcrane
Matthias Schwengler, Philipp Brämswig und Reza Askari, die sich aus dem Studium kannten, entwickelten sich gemeinsam weiter in ein Modernes Jazz Trio, das sich Genreübergreifend in alle musikalischen Richtungen bewegen konnte. Gerade die für Philipp und Reza neue Orientierung an Popmusik soll ihnen ganz neue Wege eröffnet haben. Von Anfang an schon hatten sie aus Gründen der eigenen Spielfreiheiten und Entwicklungsmöglichkeiten ein Schlagzeug für ihre Band ausgeschlossen. Auf diese Weise und auch aufgrund der Notationen, mit denen sie arbeiteten, wurden sie rhythmisch immer flexibler. Gerade Takte konnten neben ungeraden stehen, ohne das reibungslose Zusammen-Spiel zu stören!
Im Trio verstärkte sich Matthias Schwenglers Spielweise, im Kontext von Soulcrane konnte er beständig an seinem Klang feilen. Gerade als ihm vorschwebte, wieder mehr mit einem Akkordeon zusammenzuarbeiten, begegnete ihm Laurent Derache. Da lag ein Zusammen-Spiel auf der Hand, und sie begannen, neue Klanglandschaften zu erforschen. Kammermusik wagt sich in Kombination mit Balkanmusik, Jazz und dem industriellen Erbe des Ruhrgebiets in neue Gefilde vor! Sie vertont die Dunkelheit sowohl in ihrer Dynamik als auch in ihrer Ruhe, in ihrer warmen Kraft und letztlich in ihrer Schönheit.
Das Album
Dunkelheit ist ein Thema, das in Matthias Schwenglers Jugend sehr präsent war, wenn auch nicht unbedingt bedrohlich! Aufgewachsen ist er in einer Bergbau-Region, dem Ruhrgebiet. Worauf auch das Cover des Albums Bezug nimmt!
Das hat der Musiker selber gestaltet. Vor weißem Hintergrund erheben sich zwei nebeneinander stehende Grubenlampen, deren „Etagen“ unten blau-metallen und oben türkisen leuchten und in der Mitte durchsichtig sind. Beide Lampen spiegeln sich auf der blanken weißen Fläche vor ihnen, an deren Rand sie stehen. Vor ihnen schwebt zentral eine durchsichtige Blase, wie ein Bindeglied. Sie wird von rauchigen Lüften umweht, die sich zu einer windigen Gestalt mit einer Grubenmaske verdichten und sich bis auf die Rückseite ausdehnen.
Wie bei der Jazz Baltica dominieren Helligkeit und Weite das Bild und werden kontrastiert von einer dunkleren, aber dynamischen Macht – der Musik.