Joachim Ringelnatz

„Die Herren der Schöpfung!“

Vom Seemann huttel Daddeldu .. Huttel Daddeldu ging in Le Havre an Land, und weil vor dem ersten Hause ein Mädchen stand, holte er sich in dem ersten Haus von dem Mädchen die Krätze, weil er das aber natürlich nicht gleich empfand, ging er weiter, in Nummer 6 traktierte er Ivy und Kätchen, Daddeldu, Sie old sailor boy Kuttel!

Joachim Ringelnatz

Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) war ein Lyriker, Maler und Kabarettist deutscher Herkunft.

Im „Schall und Rauch“

Nach einem ereignis- und entbehrungsreichen Leben voller Widerstände und der mäßig erfolgreichen Mitarbeit an dem Münchner „Simplicissimus“ hatte er ab Herbst 1920 erste erfolgreiche Auftritte im Berliner Kabarett „Schall und Rauch“. Als er kurzzeitig dessen Hausdichter wurde, verfasste er auch die Texte für die Programme anderer. Begleitend gaben die Künstler*innen dort Hefte heraus, die informieren und werben sollten – heute von unschätzbarem Wert! Die meisten ihrer Beiträge zeigten dadaistische Kunst oder waren Erstveröffentlichungen, wie Joachim Ringelnatz` eingangs zitiertes Gedicht “Kuttel Daddeldu“. 

Damit begann sein Leben als reisender Vortragskünstler, das ihn mehrere Monate im Jahr auf Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum führte. Seiner fragilen Gesundheit bekam das nicht gerade besonders gut. Als Mitglied der 1901 in Berlin gegründeten Internationalen Artisten-Loge war er unter der Berufsbezeichnung „Artist“ unterwegs. Da sich die englische Bedeutung des Begriffs allgemeiner auf den oder die Künstler*in bezieht, trifft sie das Phänomen Joachim Ringelnatz besser.

Der Maler

Seine Malerei, die er sich autodidaktisch angeeignet hatte, entwickelte sich für ihn ab 1923 zu einem seiner beruflichen Standbeine. (vgl. https://vgl. www.ringelnatzmuseum.de/malerei)

Seine Vorträge

Ab 1927 war er auch im Rundfunk zu hören und nahm 1928 16 Beiträge auf Schallplatte auf.

Die Lyrik

Gleichzeitig erschienen seine beiden bekanntesten Gedichtsammlungen „Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid“ und „Turngedichte“ bei dem Berliner Verleger Alfred Richard Meyer alias Munkepunke.

Joachim Ringelnatz` Auftritte

Wirklich bekannt wurde der leidenschaftliche Seefahrer national und sogar international über seine Auftritte. Er kleidete sich stets im Matrosenanzug und begeisterte oder verschreckte sein Publikum mit seiner direkten Art. Die Film-Diva Asta Nielsen, mit der ihn eine Freundschaft verband, schwärmte von diesem Charisma.

Die Stimmung, die seine Person ausstrahlte, und das ein­tönige Organ, das in singendem Rhythmus seine genialen Verse aufsagte – begleitet von kaum wahrnehmbaren, aber sehr bezeichnen­den Bewegungen der knochigen Hände -, hätten eine solche Wirkung entfaltet, dass sie die Zuhörer*innen in Ekstase versetzten oder in die Flucht schlugen. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Ringelnatz)

Während Ringelnatz in seinen Moritaten auf den Kabarett-Brettern zielgenau das Gedankengut von gestern und die „Spießbürgerei“ von heute aufs Korn nahm, bediente er sich schon einmal des ein oder anderen derben Seemanns-Fluchs.

Berlin

Erst im Februar 1930 zog er mit seiner Frau Leonharda Pieper nach Berlin und mischte sich ein in diese „düstere, stehlende, schießende und schiebende“ Stadt (vgl. Joachim Ringelnatz). Das Auftritts-Verbot durch die Nationalsozialisten ein paar Jahre später traf ihn hart. Er starb 1934 verarmt in Berlin.

Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu (Joachim Ringelnatz)