Berlin, Stadt der Frauen!

Nach dem Ersten Weltkrieg war Berlin eine „Stadt der Frauen“. Etwa 78 Prozent der Bevölkerung war weiblich. Um so wichtiger, einige prägende Künstlerinnen über den Jazz hinaus in den Blick zu nehmen.
Claire Waldoff
Sie war eine Interpret*in der Kleinkunst auf mehreren Ebenen. Sie bezeichnete sich selbst als „Volkssängerin“. Die gebildete Frau sprach mit ihren witzigen und frechen Liedern den Berliner*innen aus dem Herzen. „Allet im im Berliner Jargon!“ Dann trug sie einen krausen Bubikopf, Hemd und Krawatte, und nicht selten Hosen. Zigaretten rauchte sie auf der Bühne und fluchte frei heraus. Ihr Lebens-Stil war ooch eher unangepasst. Die war ´ne echte Type! Ihren eigenen Worten zufolge „versuchte sie ´s einfach mit Frechheit!“ Mit ihren engagierten Couplets begeisterte sie 40 Jahre lang die Leute. In ganz Europa wurde sie zu einem Symbol für „ihre“ Stadt.
Eigentlich aber kam diese „echte Berlinerin“ aus einer Varieté-Familie aus Gelsenkirchen und hatte das erste Mädchen-Gymnasium Deutschlands in Hannover besucht. Danach hatte sie sich aber aus Geld-Gründen für eine Ausbildung zur Schauspielerin entschieden.
Berlin während der Weimarer Republik
in Berlin war sie mit 24 Jahren angekommen, hatte rote Haare und rote Lippen. Schon in ihren anfänglich kleinen Rollen hatte der Theater-Kritiker Alfred Kerr ihr Talent entdeckt.
Sie trat in Operetten oder Revuen auf. Bald schon war sie in den größten Varietés Berlins zu erleben, wie der Scala oder 1910 im Wintergarten. Der Komponist Walther Kollo und sie ergaben sie ein tolles Erfolgsduo. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg schmetterte sie in seiner Kriegsoperette „Immer feste druff“ anti-militaristische Soldatenlieder von der Bühne. Daneben hatte sie sich 1907 schon unter dem Einfluss von Rudolf Nelson für das Kabarett entschieden. Ihre ironisch-anzüglichen Gassenhauer oder kabarettistischen Chancons gab sie unter anderem in dessen Chat Noir an der Friedrichstraße zum Besten. Die Texte verfasste sie großenteils selbst. Zusätzlich verkehrte sie mit den bekanntesten Librettisten ihrer Tage. Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky oder Friedrich Hollaender war sie auch freundschaftlich eng verbunden.
Ab 1924 erschien sie auch in Ausstattungsrevuen, unter anderen bei Erik Charell im Großen Schauspielhaus. Mit Margo Lion stand sie auf der Bühne, oder gemeinsam mit Marlene Dietrich, sie war mit wirklich allen bekannt. „Mimik ohne Gestik! In ihrer gespielten Einfachheit war sie ´ne große Nummer.“
Auch stand Claire Waldoff mit beiden Beinen fest auf dem Boden des Kultur- und Nachtlebens der lesbischen Szene Berlins. 1917 hatte sie in Berlin ihre Lebensgefährtin Olga von Roeder kennengelernt. Die beiden verkehrten an den einschlägigen Orten, die Berlin damals zu bieten hatte, wie den Toppkeller in Schöneberg. Wie viele andere Künstler*innen zog es auch Anita Berber häufig hierhin. Die Walldoff und die von Roeder veranstalten außerdem einen kultur-politischen Salon für Lesben. Sie blieben zusammen bis zu Claires Tod 1957.
Berlin während des Nationalsozialismus
Während des Nationalsozialismus blieb sie in der Scala weiterhin so unverblühmt, wie sonst nur Werner Fink in der Katakombe. Auftrits-Verbote drohten ständig. 1939 wurden die Zenrurgesetze noch einmal derartig verschärft, dass Spott so gut wie unmöglich wurde. 1942 hatte sie endgültig genug und hängte die Bühne ein für alle Male an den Haken.
Nach meine Beene is janz Berlin verrückt