BERLIN HAT DEN JAZZ

Kurt Weill

Kurt Weill ist 1900 in Dessau geboren worden. Sein Vater war dort Kantor der jüdischen Gemeinde. Der Sohn wurde ein für das 20. Jahrhundert Ton-angebender Komponist.

Leben und Werk

Er neigte zur Neuen Musik. Gleichzeitig war er offen für Populärmusik. Und dann hatte er eine Vorliebe für die Bühne. Er revolutionierte es das Musik-Theater. Seine Musik sollte von Laien gesungen werden können. Die einfacheren Melodien schufen die neue Gattung des Songs.

Im März 1927 wurde in der Staatsoper „Royal Palace“ ur-aufgeführt. Darin verwendete der Komponist Jazz-Rhythmen, um ein antik tragisches Versmaß zu konterkarieren. Das erregte Aufmerksamkeit und kam gut an. Er entwickelte die Kombination aus Symphonie-Orchester und Jazzband zu seinem Erfolgsrezept.(vgl. Bratfisch, S. 65)

Kurt Weill und Lotte Lenya

1924 lernte er die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Lotte Lenya kennen. Ein Jahr später heirateten die beiden, und eine der „amours fous“ des 20 Jahrhunderts nahm ihren Lauf. Weil der Komponist ganz besonders angezogen von Lenyas Stimme war, lad es auf der Hand, dass die beiden auch beruflich mit einander zu tun haben würden.

Kurt Weill und Bert Brecht

Als er in Bert Brecht einen kongenialen Partner für die Bühne für die nächsten Jahrefand, war Lotte Lenya immer mit von der Partie. Ihre Stücke waren voller Anspielungen an Jazz. (vgl. Knauer, S. 52) Schon ihre erste Gemeinschafts-Arbeit schlug ein wie eine Bombe. Am 31 August 1928 wurde die „Dreigroschenoper“ im heutigen Theater am Schiffbauerdamm ur-aufgeführt. Die Musik in Verbindung mit Sozial-Kritik markierten den Höhepunkt in Kurt Weills Karriere. Die Melange aus sperrigen Melodien und Jazz wurde sofort zu Gassenhauern mit politischen Untertönen. Brecht sprach von „Misuk“ (Knauer, 72 ff.)

1930 engagierte Weill wieder eine Jazzband, diesmal unter der Leitung von Mike Danzi. Die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, ein Songspiel“ sollte amerikanischer wirken. Die Musiker*innen amerikanischer Herkunft spielten auf der Bühne. (vgl. Bratfisch, S. 58f.)

1929 lief die surrealistische musikalische Komödie , „Happy End“. Sie hatte drei Akte. Kurt Weill steuerte auch hier Kompositionen bei. Natürlich verwendete er hier ebenfalls Jazzelemente. (vgl. Bratfisch, S. 65)

Exil

Vor den Nazis flüchteten Kurt Weill und Lotte Lenya, frisch vereint nach einer ein-jährigen Trennung und zum zweiten Mal verheiratet, im März 1933 noch rechtzeitig nach Amerika. Der Komponist war dort weiterhin verhältnismäßig erfolgreich, was er zu wichtigen Teilen auch seiner Frau zu verdanken hatte. Die Nazis machten ihn zu einer Galionsfigur in ihrer Hetze gegen den „jüdischen Kulturbolschewismus“. Er starb 1950 in New York.

Lotte Lenya in Alabama Song by Kurt Weill recording 1930

Siehe auch: KIND OF GOLDEN – Das Scheunenviertel