Bert Brecht sah in der Autonomie des spezialisierten Denkens, wozu für ihn die Kunst zählte, die Voraussetzung radikaler Demokratie. (Vgl. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/29718/brecht-und-die-politischen-systeme/)Bert Brecht war, wie wir heute wissen, viele. Er besaß die Fähigkeit, die klugen Vorlagen, die von Frauen stammten, als solche zu erkennen, mit seinen eigenen Entwürfen in Einklang zu bringen und zu einem konsistenten Gesamtwerk zu bündeln.

Da aus aktuellen Anlässen die Vorteile der Demokratie nicht über beleuchtet werden können, und die Jazzgeschichten darüber hinaus zu den Antifaschist*innen und dem linken Spektrum der Demokratie halten, ist es an der Zeit, einen der bekanntesten Dramatiker und Regisseure der Weimarer Republik in den Blick zu nehmen.

Bertolt Brecht

In der Weimarer Republik provozierte er immer wieder Theater-Skandale, weil seine Stücke keine Identifikation mit dem dargestellten Charakter herstellen, sondern eher dessen Abhängigkeit von den „Verhältnissen“ zeigen sollten. Die Methode wurde als episches, bzw. dialektisches Theater bekannt. Vielen zu links-intellektuell! (Vgl. ebd.)

Bert Brecht verfasste auch Kritiken, Gedichte, Romane und Libretti, die ihn über die Grenzen des Landes hinaus berühmt machten“ (https://www.helles-koepfchen.de/?suche=bertolt+brecht). Zahlreiche Songs aus seinen Stücken entwickelten ein Eigenleben. Die Protest- und Kampflieder wurden fast zu Hymnen. Oder er betätigte sich selbst als Kabarettist und begleitete sich auf der Gitarre.

Augsburger Vorgeschichte des angehenden Schriftstellers

1898 wurde Bert Brecht in einem Angestellten-Haushalt in Augsburg geboren. Seit der Kindheit litt er an Herzbeschwerden, die einige Kuraufenthalte veranlassten. Er erhielt unter anderem Gitarrenunterricht und besuchte das Real-Gymnasium in Augsburg. Für die dortige Schülerzeitung schrieb er schon als 15-Jähriger Gedichte und Prosatexte. 1914 verfasste er einige, noch patriotisch gefärbte, Reportagen von der Heimatfront für ein die Medien der Gegend. Zwei Jahre später verweigerte er den offiziellen „Todes-Pathos“ und nahm die Konsequenzen, die ihm daraus hätten entstehen hätten können, in Kauf. Seine Veröffentlichungen unterzeichnete er fortan mit „Bert Brecht“. Wegen seines Herzleidens „ausgemustert“, konnte er das Gymnasium während des Kriegs mit einem „Notabitur“ beenden. Daraufhin diente er als Lazarett-Soldat in Augsburg. (Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Bertolt_Brecht)

Münchner Vorgeschichte des Dramatikers

Obwohl er sich 1918 an der Universität München für Medizin und Naturwissenschaften immatrikulierte, widmete er sich auch dort in erster Linie weiterhin der Literatur und Schreiberei. Mit Theaterkritiken für die Augsburger USPD-Zeitung hielt er sich über Wasser. Nach der Novemberrevolution 1918 wurde er Mitglied des Augsburger Arbeiter- und Soldatenrates und arbeitete in München für den Kabarettisten Karl Valentin als Geräuschmacher. 1922 kam es dort zur Uraufführung seines kritisch-engagierten, linksorientierten Stücks „Trommeln in der Nacht“. Spielort waren die Kammerspiele, die in einer Mitternachtsvorstellung danach die Revue „Die rote Zibebe“ von Brecht und Karl Valentin nachschoben.

Brecht selbst spielte den „Klampfenbenke“, in Erscheinung traten Klabund, Joachim Ringelnatz als Seemann Kuttel Daddeldu, Valeska Gert, Liesl Karstadt und natürlich Karl Valentin!

Auch sein Drama „Baal“ erschien, dessen Inszenierung allerdings sofort wieder verboten wurde. „Brecht verstand, zu provozieren!“ (Vgl. https://www.dhm.de/lemo/biografie/bertolt-brecht)

Bei der Berlin-Reise 1921/1922 suchte Brecht gezielt Kontakt zu Persönlichkeiten des Berliner Kulturlebens, vermittelt durch Klabund. Auf Trude Hesterbergs Wilder Bühne trat er als Sänger mit Gitarre und seiner „Legende vom toten Soldaten“ auf und machte sich damit sofort einen Namen. Als ‚Liedermacher‘ betätigte er sich bei den halböffentlichen Treffen dieser Kulturszene dann gerne.

Das Deutsche Theater in Berlin sicherte sich die Rechte an der Aufführung aller Brecht-Dramen.

Bert Brecht und seine Berliner Geschichten

Nach ersten Theatererfolgen zog Brecht 1924 nach Berlin. Anfangs arbeitete er er zusammen mit dem Schriftsteller Carl Zuckmayer als Dramaturg an Max Reinhardts Deutschem Theater. Dort lernte er die Schauspielerin Helene Weigel kennen, die mit ihm arbeitete und ihn trotz seiner ungeklärten Verhältnisse zu anderen Frauen heiratete. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor.(Vgl. https://www.helles-koepfchen.de/?suche=bertolt+brecht)

Da ihn auch das politische Zeitgeschehen nicht unberührt ließ, setzte er sich eingehender mit der marxistischen Theorie auseinander. Obwohl er mit den revolutionären Zielen der Kommunisten sympathisierte, trat er nie in die Kommunistische Partei (KPD) ein.

In sogenannten Lehrstücken behandelte er ab 1926 aus marxistischer Sicht die gesellschaftlichen Missstände. In diesem Zusammenhang engagierte er sich 1927 auch an Erwin Piscators revolutionärem Theater.

Ein paar Jahre später, 1931, verfasste er das Drehbuch zu dem Film „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“. Jener zeigte der das Leben im Proletariat, wie es war. Wegen kommunistischer Agitation wurde der Film im Folgejahr verboten.

Für Brecht musste die Literatur einen Nutzen haben, reine Unterhaltung kam für ihn nicht infrage.“ Das bringt mich zum Brecht´schen Herzstück, aus meiner Sicht. Die Phase der Zusammenarbeit mit dem Komponisten Kurt Weill, in der die beiden gemeinsam das Konzept des Epischen Theaters entwickelten! Als erstes Stück dieser Gattung galt „Die Dreigroschenoper“. Nach der Übersetzung aus dem Englischen und der Erstfassung von Elisabeth Hauptmann brachten die beiden sie auf die Bühne. trat Eine erste Riege an Schauspieler*innen trat auf und pflanzte dem Publikum die Weill´schen/Brecht´schen Songs direkt in die Ohren und Herzen. Schauplatz der Premiere war der 31. August 1928, das Neue Theater am Schiffbauerdamm. Die Songs wurden in mehrere Sprachen übersetzt und begeisterten die Menschen weit über die Grenzen hinaus. Und das Stück wurde zu einem der berühmtesten seiner Zeit und Ausdruck dafür.

1930 legten Brecht und Weill die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ nach, lösten damit aber in Leipzig einen Theaterskandal aus. (Vgl. https://www.dhm.de/lemo/biografie/bertolt-brecht)

Ab 1930 wurden die Aufführungen regelmäßig von den Nationalsozialisten gestört. Sie hatten es schon lange auf Brecht abgesehen.

Der war 1928 auch Hans Eisler begegnet, der fortan zum wichtigsten Komponisten seiner Stücke und Lieder wurde. Aus der Bekanntschaft ergaben sich eine enge Freundschaft und eine bedeutende Dichter-Musiker-Partnerschaft.

Internationale Nachgeschichte des Lyrikers und Regisseurs

Als Kommunist wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt. Am 28. Februar 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, verließ Brecht Deutschland mit seiner Familie. Sie flohen über Prag nach Wien, in die Schweiz und schließlich nach Dänemark. Noch gemeinsam mit Kurt Weill schuf der Autor sein erstes Exilstück. Das Ballett „Die Sieben Todsünden“ wurde 1933 in Paris aufgeführt. Auch schrieb er weiterhin Gedichte, die er ausdrücklich dem antifaschistischen Kampf widmete. 1941 übersiedelte er in die USA, während im April des Jahres sein Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ in Zürich uraufgeführt wurde. Da er seiner politischen Haltung wegen in den Vereinigten Staaten nicht wirklich willkommen war, kehrte er 1947 mit Helene Weigel nach Europa zurück. Gemeinsam gründeten sie das Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm in Berlin. Er starb 1956. (Vgl. https://www.dhm.de/lemo/biografie/bertolt-brecht)

Links:

https://www.dhm.de/lemo/biografie/bertolt-brecht

https://www.helles-koepfchen.de/?suche=bertolt+brecht

https://de.wikipedia.org/wiki/Bertolt_Brecht

Songs:

Moritat von Meckie Messer

Denn wovon lebt der Mensch?

Der Kanonensong