Berlin, Stadt der Frauen!

Terde Hesterberg

Trude Hesterberg war eine ausgebildete Sängerin, eine Schauspielerin und Tänzerin. Als Diseuse und Chansonnière eröffnete sie 1921 ihre eigene „Wilde Bühne“. Das war der Grundstein für das moderne politisch literarische Kabarett in Deutschland. Fraglos gehörte sie zu den prägenden Frauen-Figuren Berlins in den 1920er Jahren.

Trude Hesterbergs Vorspiel im Kaiserreich

1892 war sie in Berlin geboren worden. In ihrer Jugend hatte sie bereits Gesangs-Unterricht von ihrer Tante erhalten. Sie war eineeiner Opern-Sängerin gewesen. Ihre Ausbildung hatte sie 1911 am Stern’schen Konservatorium angetreten. Schon im nächsten Jahr hatte Felix Hollaender ihr eine erste Rolle am Theater verschafft.

Die hatte ihr gleich ein Jahres-Engagement an den Kammerspielen eingebracht. Die Monats-Gage hatte 115,00 Mark betragen. Weitere kleinere Auftritte in musikalischen Stücken am Deutschen Theater waren gefolgt. Oder sie hatte mit ihren Chansons den Kurfürstendamm unsicher gemacht. 1912 war sie auch erstmals einem Stumm-Film zu sehen gewesen.

1915 stand sie auf der Bühne von Berlins größtem Varieté Wintergarten. 1919 gastierte sie im Kabarett Schall und Rauch. Ihr Repertoire stammte von Kurt Tucholsky, Friedrich Hollaender und Erich Kästner.

Höhepunkt während der Weimarer Republik

Während des Ersten Weltkriegs entschied sie sich ganz für das Kabarett. 1921 eröffnete sie im Souterrain des Theater des Westens ihre Wilde Bühne. Als Haus-Autor fungierte Walther Mehring. Die Künstler*innen-Kneipe entwickelte sich schnell zu dem Treffpunkt der Avantgarde. Blandine Ebinger oder Margo Lion trafen hier auf Friedrich Hollaender und Mischa Spoliansky. Klabund, Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholsky lieferten die Texte. Im Prinzip entstanden hier die berühmtesten Chansons der 1920er Jahre.

1923 erlebte diese noch junge Wilde Bühne sowohl einen ihrer Höhepunkte. Bald darauf folgte ihr jähes Ende. Die Hyper-Inflation in Deutschland erreichte ihren Höhepunkt. Sie hatte die meisten in existentielle Schwierigkeiten gebracht, und die Menschen endgültig demoralisiert.

In diese Situation hinein stattete König Amanullah aus Afghanistan Berlin einen verhältnismäßig pompösen Besuch ab. Ein Schlag ins Gesicht der Berliner*innen! Einen Tag später standen Trude Hesterberg als Prinzessin Soraya und Kurt Gerron als König Amanullah auf der Wilden Bühne. Im Dezember desselben Jahres brannte das Kabarett aufgrund eines technischen Defekts vollständig aus.

Die ehemalige künstlerische Leiterin war also wieder auf Operetten- Engagements angewiesen. Erfolge blieben ihr vergönnt, genau wie im Film.

„Nachspiel“ im Nationalsozialismus

Wegen ihrer Popularität konnte Trude Hesterberg auch nach 1933 weiterhin in Berlin arbeiten. Da sie jüdischer Herkunft war, benötigte sie dafür eine Sonder-Genehmigung. Joseph Goebbels erteilte sie ihr.

Sie starb 1967 in München.

Die Herren Männer / Trude Hesterberg mit Klavierbegleitung

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