BERLIN HAT DEN JAZZ

Die beiden Komponisten und Pianisten Franz Grothe und Georg Heanzschel konnten auf dem Gebiet des Jazz triumphieren. Sie waren 1907 und 1908 in Berlin geboren worden. Mitte der Zwanziger Jahre steckten sie noch in einer klassischen Ausbildung am hiesigen Konservatorium. Nebenbei arbeiteten sie in Jazzbands, um sich etwas dazu zu verdienen.

Da es mittlerweile auch Musiker*innen aus Amerika und England in die Stadt gezogen hatte, bot sich ihnen die Gelegenheit, bei den Originalen ´einzusteigen und mitzuspielen, wie 1929 bei Mike Danzis Virginians. Durch dieses Learning bei Doing – eigendlich die! Grundidee von Jazz – und die kontinuierliche Praxis bekam ihr Klavierspiel eine amerikanische Note. Eine Frage der Spielgewohnheiten! 1928 war Franz Grothe außerdem ein Mitglied der Jazzband, die Eric Borchard aus lauter Spitzen-Jazzmusiker*innen aus der ganzen Welt zusammengestellt hatte. Die Klassik reagierte irritiert, doch unterhaltungsmusikalisch standen den beiden die Türen offen.

Sie geben dabei ein gutes Beispiel ab für ein interessantes Phänomen: Mitte der Zwanziger Jahre übernahm in Berlin eine neue Generation das Ruder. Was das Leben diese Jugend gelehrt hatte, hatte viele von ihnen antipolitisch, pragmatisch und hedonistisch gemacht.

Diese beiden gehörten in der Weimarer Republik als zu den ´amerikanisiertesten`aller Musiker*innen. Bald mussten sie sich zurecht finden in einem nationalsozialistischen Deutschland. Dass sie dort sogar Karriere machten mit Filmmusik und Schlagern, steht einerseits im Zeichen ihres Pragmatismus. Der Schlager wird im Nationalsozialismus zum Schicksal des Jazz werden. Auf der anderen Seite sind ihre Versuche, dem Jazz auch unter diesen Bedingungen ganz offiziell die Treue zu halten, ähnlich bezeichnend. Davon dann später mehr…

Franz Grothe, Mitternachtsblues

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